Erster Eindruck Dudek Run and Fly 16

Test Dudek Run and Fly 16

Beni hat den leichtesten Gleitschirm der Welt testgeflogen und mit dem Ozone XXLite 2 16 verglichen. Hier sein erster Eindruck nach vier Flügen in eher ruhiger Luft.

 

Auslegen

Beim Leinen sortieren fällt direkt auf, der Run and Fly hat im Vergleich zum XXlite 2 deutlich weniger Leinen. Der Wechsel von Stamm- zu Galerieleinen ist verstärkt, dort bleiben leider gerne Leinen hängen. Die Tragegurte sind auch aus Dyneema Strängen gemacht, genau wie beim XXlite 2 und entsprechend fordernd im Handling. Eine verdrehte Bremse nach dem Start kann nur mit viel Aufmerksamkeit verhindert werden.

Beim Run and Fly zieht man nach 30 cm anbremsen über eine Umlenkung die D-Leinen runter. Diese Umlenkung macht den Traggurt nicht grade übersichtlicher. Das gute an den Single Skins ist, dass man sie beim kleinsten Aufwind aufziehen und kontrollieren kann.

 

Start

Der Run and Fly kommt wie alle Single Skin super schnell hoch. Mit nur wenig anbremsen kann man das Vorschiessen locker verhindern.  Mit dem XXlite 2 ist man dann nach 2-3 Schritten spätestens in der Luft, wenn nicht schon vorher. Der Run and Fly braucht gefühlt 2-3 schnelle Schritte mehr zum abheben. Eventuell heisst der Schirm deshalb Run and Fly …

Obwohl sich am Single Skin eigentlich nichts füllen muss, flattern beim Start mit dem Run and Fly erst mal leicht die Ohren, bis sich der Fronttube vollständig gefüllt hat. Erst beim Abheben ist der Schirm dann ganz geöffnet. Tendenz zum Aushebeln hat der Run and Fly weniger als der XXLite 2. Im Starkwind also sicher einfacher.

 

Flug

Das Spezielle gleiche vorneweg: Das beste Gleiten hat der Run and Fly nicht mit Hände hoch, sondern mit dem Gewicht der Armen in den Bremsen hängend, also ca. 30% Bremse. Der Unterschied ist geschätzt etwa eine Gleitzahl. Genau ausgeflogen werden konnte das jedoch nicht.  Mit 0% Bremse fliegt man also schon beschleunigt. Der Run and Fly hat deshalb auch keinen Fussbeschleuniger. Der Unterschied von “beschleunigt” auf unbeschleunigt liegt bei etwa 5 km/h, also besser als beim XXLite 2. Die Geschwindigkeit im besten Gleiten ist ca. 2km/h schneller als beim XXlite 2. Der XXlite 2 hat durch die deutliche höhere Streckung auch eine etwas bessere Gleitzahl. Mit ganz offenen Bremsen, also voller Geschwindigkeit steht die Kappe des Run and Fly nicht so schön glatt und gespannt dar. Es mag daran liegen, dass die gesamte Konstruktion auf extrem leicht ausgelegt wurde.

In alle Richtungen sind leichte Falten zu sehen und die Kappe vibriert. Unbeschleunigt, also genug anbremst, wird die Kappe einigermassen gespannt und die Vibrationen lassen deutlich nach.

In leichten Turbulenzen vermittelt mir der Run and Fly nach 4 Flügen noch kein grosses Vertrauen, man muss sich da erst mal dran gewöhnen. Ich frage mich wie sich das in starken Turbulenzen anfühlen wird. Der XXLite 2 fühlte sich bei den leichten Turbulenzen erstmal stabiler an. Turbulenzen am Single Skin sind aber so oder so kein Genuss … was sich sonst nur als Rütteln anfühlt, fühlt sich am Single Skin immer gleich als turbulent an.

Die Bremswege sind eher kurz, aber in einem grünen Bereich. Durch die Umlenkung auf die D-Ebene nimmt der Bremsdruck markant zu. Wann genau die Strömung abreisst, spürt man nicht so genau. Das Abreissverhalten vom XXLite 2 gleicht da eher einem normalen Schirm. Er wird massiv härter vor dem Abreissen und reisst zuerst aussen an den Flügelenden ab. Auch die Bremswege sind spürbar länger.

 

Provozierte Klapper

Ich habe wegen dicken Fausthandschuhen nur ansatzweise Klapper probiert. Das Manöver wurde mit offenen Bremsen, also „voll beschleunigt“ geflogen. Zieht man die A-Leinen einseitig vorsichtig 5cm runter, klappt gleich die ganze Seite dynamisch weg. Ich kann nicht sagen, das ich mich dabei wohl gefühlt habe.

Beim vorsichtigen Ziehen vom ersten Frontklapper hat der Schirm blitzschnell ein Hufeisen gemacht. Auf weitere Frontklapper habe ich dann verzichtet. 🙂

Laut dem Herstellervideo soll der Run and Fly gutmütig und sicher sein. Das kann ich nach meinen vier Flügen zu wenig beurteilen. Ich muß mich wohl noch an diese neue Konstruktion gewöhnen, denn pudelwohl habe ich mich bei meinen ersten Testversuchen nicht gefühlt.

Hier gehts zum Extremflug Video: (von Dudek)

https://www.youtube.com/watch?v=F_oOnYGGS2Q

 

Landen

Das Ausflairen klappt erstaunlich gut. Kommt man mit etwas Überfahrt aus einem Pendel darf man die Bremsen nicht zu schnell durchziehen, sonst katapultiert einen der Schirm wieder nach oben. Erstaunlich was der Run and Fly an Auftrieb generiert beim Durchbremsen. Hier schlägt er wohl jeden anderen Single Skin auf dem Markt. Ob das mit dem Flaschenzug auf die D-Ebene zusammenhängt? Vermutlich. Das Flairen ist wirklich erstaunlich gut, wenn auch noch nicht ganz wie bei einem normalen Gleitschirm.

 

Packen und Packvolumen

Der Run and Fly hat nur ganz kurze Stäbchen in der Nase. Er wird schon aufgerollt wie ein Schlafsack ausgeliefert. Ich denke man braucht sich also beim Packen keine Mühe zu geben wegen den kurzen Stäbchen. Das Packvolumen ist geschätzte 30% geringer als beim XXLite 2. Den XXLite 2 muss man aber wegen den längeren Stäbchen in der Nase etwas klein „prügeln“.

 

Mein Fazit

Single Skin bleibt Single Skin. Beim Erstflug fühlt man sich noch nicht so wohl. Man muß erst Vertrauen zu diesen extrem leichten Schirmen aufbauen. Je nach Schirm und eigenem Können, geht das mal schnell oder weniger schnell. Der XXLite2 ist eher eine Gleitschirmkonstruktion mit deutlich mehr Streckung und daher nur bedingt mit den Run and Fly zu vergleichen. Vielleicht vermittelt er mir dadurch mehr Sicherheit in der Luft. Als revolutionär sticht aber beim Run and Fly sicher das Gewicht, das Packvolumen und auch das Flairen beim Landen heraus.

Die eierlegende Wollmichsau ist aber auch der Run and Fly von Dudek Paragliders nicht. In Sachen Startstrecke und geschätzter Gleitzahl nimmt man sicherlich leichte Abstriche in Kauf.

Ich würde den Run and Fly absoluten Gewichtsfetischisten und auch erfahrenen Piloten empfehlen zum:

  • Run and Fly
  • Bergsteiger und Skitourengänger welche eh schon viel Material dabeihaben
  • Als Blickfang am Startplatz

Alles in allem haben mir die Testflüge Spaß gemacht. Ich freue mich schon auf unseren ersten Demoschirm, mit dem ich sehr gerne weitere Flüge machen werde.

Wer einen Run and Fly bestellen möchte kann das in Grössen 14, 16, 18 und 20 qm. Wir beraten dich gerne die richtige Grösse zu finden. Tipp: Wie alle Single Skins muss man auch den Run and Fly mit hoher Flächenbelastung fliegen.
VK:

14: CHF 2200.-
16: CHF 2200.-
18: CHF 2400.-
20: CHF 2500.-

Weiter Infos findet man hier: http://dudek-paragliders.de/runfly-beschreibung

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